Vereinsarbeit

Positionen der LAGDS zur Entwicklung des
Darstellenden Spiels in der Schule

Darstellendes Spiel muss ordentliches Fach werden!

Die Landesarbeitsgemeinschaft Darstellendes Spiel in der Schule möchte mit allen an Bildung Beteiligten und Interessierten zu Folgendem ins Gespräch kommen:

Das Fach Darstellendes Spiel
Was das ist? Theaterspielen als Schulfach. Als Fach mit stark spielfördernden und dramaturgisch orientierten Methoden. Ein Schulfach, welches in Mecklenburg- Vorpommern noch in den Kinderschuhen steckt, obwohl es in verschiedenen Altbundesländern wie Hessen, Hamburg und Bayern seit 20 Jahren etabliert ist. Es ist ein künstlerisch-ästhetisches Fach wie der Musik- und Kunstunterricht. Ebenso wie im Musikunterricht nicht vorrangig Berufsmusikerlaufbahnen angebahnt, im Fach Kunst nicht unbedingt zukünftige Maler und Grafiker ausgebildet werden, so geht es im DS nicht um einen Vorkurs für die einschlägigen Schauspielschulen.
Und wir streiten für dieses Fach seit Jahren, denn wir meinen, dass dieses Fach sehr gut ins Konzept einer modernen Schule passt, weil es einerseits den Einzelnen in seiner Individualität besonders fördert, andererseits aber die Teamfähigkeit wie kein anderes Fach schult.
Zum einen vermittelt dieses Fach natürlich Wissen um Theatergeschichte und -praxis, Dramentheorie und theaterwissenschaftliche Zusammenhänge. All diese Kenntnisse werden stets in der eigenen Erarbeitungspraxis der Schülerinnen und Schüler vermittelt, dadurch bleibt dieses Wissen nachhaltig haften. Wer in der Schule DS hatte, wird später oft zum interessierten und differenziert wertenden Kultur- und Theatergänger.
Zum anderen entwickelt der DS-Unterricht natürlich vielfältige Fähigkeiten, die die Schülerinnen und Schüler kompetent im Umgang mit anderen und sich selbst machen. Zielgerichtet wird an der Entwicklung des freien, deutlichen und auf einen Partner bezogenen Sprechens gearbeitet, die Schülerinnen und Schüler lernen ihre Körpersprache zu verstehen und einzusetzen, gezielte Übungen sollen Publikums- und Öffentlichkeitsängste abbauen helfen. Nicht zuletzt liefert DS einen gewichtigen Beitrag zur Verbesserung von Ausdauer und Motorik.
Zum Dritten aber ist DS wie keinem anderen Fach wesenseigen, Sozialkompetenz zu fördern, weil im DS-Unterricht immer an Projekten gearbeitet wird, die in einer kleinen oder größeren Präsentation für eine Öffentlichkeit gezeigt werden sollen. Und diese gelingt nur, wenn die Spielgruppe zusammenarbeitet bis zum Schluss, gemeinsam Arbeitskrisen und Schwierigkeiten überwindet, Organisationsprobleme meistert und jede Menge Verantwortung übernimmt. Am Schluss steht nicht die Note (obwohl auch diese vergeben wird, um individuelle Lernfortschritte zu dokumentieren), sondern die Präsentation. Also eine echte Kritik durch das Publikum, was will man mehr.
Und ganz nebenbei: der Applaus für die erbrachten Gruppenleistungen, die Erinnerung an endlose Dramaturgiediskussionen und lustvoll erlebtes Theaterspiel färben die spätere Einstellung zum Thema Schulzeit erheblich. Aber weil die meisten Erwachsenen diese Arbeit aus eigener Schulzeit nicht kennen, gibt es da auch manch schrägen Blick… Kuschelpädagogik? Spielkram? Die Antwort muss lauten: Nein.

Beschreibung einer Situation
Mecklenburg-Vorpommern nahm bis vor kurzem einen positiven Platz in der Gesamtheit der Bundesländer dadurch ein, dass sich hier eine Entwicklungsmöglichkeit für Kinder auftat, um die in anderen Bundesländern über viele Jahre unter schweren Bedingungen gekämpft wurde und die dennoch nicht überall zur Normalität des Schulalltags gehört. Wir hatten das Fach Darstellendes Spiel in der Stundentafel, zumindest in den Klassenstufen 5 und 6 der Haupt- und Realschulen. In Rostock an der Hochschule für Musik und Theater wurde erstmalig bundesweit ein Studiengang eingerichtet - Darstellendes Spiel als Beifach für Lehrer (ein zweijähriges berufsbegleitendes Studium mit einem Abschluss, der über das Lehrerprüfungsamt seine Anerkennung fand). Deutlich mehr als 100 Lehrer nahmen diese Möglichkeit begeistert wahr und wurden ausdrücklich auch durch das Land dafür geworben. Wir waren also Vorreiter vor allem auch für die neuen Bundesländer, was im Rahmen unserer Mitarbeit in der Bundesarbeitsgemeinschaft hoch gewürdigt wurde. Das Lehrerpersonalkonzept für das Land Mecklenburg-Vorpommern hat die Anerkennung des Beifachstudiums für Pädagogen (eine ähnliche Ausbildung bietet auch das Landesinstitut für Schule und Ausbildung M-V an) kaum berücksichtigt. In der Konsequenz führte das dazu, dass in M-V viele ausgebildete Pädagogen für dieses neue Schulfach an allen möglichen Schulen eingesetzt sind. Aber jetzt führt das Schulfach nur ein Schattendasein an den Schulen, jedenfalls an den staatlichen. Aber damit ästhetisch anspruchsvolle und spielpädagogisch sinnvolle Produktionen zustande kommen, braucht es gut gerüstete Lehrer. Leider wird in unserem Bundesland kein DS- Lehrer zielgerichtet an solche Schulen verteilt, wo das Darstellende Spiel eine Rolle spielt und zum Schulkonzept gehört.

Außerdem muss jetzt festgestellt, dass mit Einführung der Regionalschule das Fach Darstellendes Spiel „beerdigt“ wurde. Zugunsten der Kernfachorientierung verzichtet man darauf.

Das deutet darauf hin, dass scheinbar vielen für Bildung Verantwortlichen die Bedeutung dieses Faches für die Entwicklung der Persönlichkeit unserer Kinder nicht klar ist.
Für dieses Fach gibt es einen Lehrplan, der über viele Jahre in M-V erprobt worden ist und neben eigenen Erfahrungen auch die reiche Erfahrung beispielsweise unserer Hamburger Kollegen verarbeitet. Dort ist Darstellendes Spiel eines der kunstästhetischen Fächer, die zum Abitur führen.

Wie nun weiter mit dem Darstellenden Spiel?
Wir denken ganz einfach, dass es an der Zeit ist klarzustellen, dass es sich bei dem Fach Darstellendes Spiel nicht um ein so genanntes schwaches Fach handelt, das wenig für die Schülerinnen und Schüler bringt und deshalb entbehrlich in der Stundentafel ist. Die Bedeutung dieses Faches wird einfach unterschätzt.
Aus unseren Erfahrungen geht hervor, dass Schüler im Darstellenden Spiel zu Höchstleistungen fähig und auch dazu bereit sind, über das Maß hinaus Anstrengungsbereitschaft zu entwickeln.

Wir fordern deshalb nachdrücklich:
Das Darstellende Spiel muss als drittes künstlerisches Fach Kunst und Musik gleichgestellt werden!

Abschließend möchten wir als Fachverband erneut unsere Mit- bzw. Zusammenarbeit anbieten, wie wir es dem Ministerium für Bildung gegenüber schon mehrfach getan haben. Die Fachkompetenz der Pädagogen unserer Landesarbeitsgemeinschaft ist bundesweit anerkannt und gefragt. Wir arbeiten in bundesweiten Arbeitsgruppen zum Fach mit und sind Mitglied im Bundesverband Darstellendes Spiel e. V.
Wir bieten in diesem Zusammenhang allen Interessierten an, sich von den Inhalten und der Arbeit in diesem Fach in Hospitationen und bei Festivals zu überzeugen.
Wer DS in der Schule gehabt hat, wird dies später nicht nur bei Kundengesprächen, in der Vortragsgestaltung und beim Projektmanagement dankbar erinnern – Selbstsicherheit, Kommunikationsvermögen, Selbstbewusstsein – das ist erlernbares Rüstzeug. Beispiele dafür, dass DS nicht vorrangig die künstlerische Ader, sondern vor allem lebenspraktische Fähigkeiten fördert, gibt es aus der Praxis der Schultheaterarbeit mehr als genug.