Gastbeitrag: Kulturschock Usedom beim Schultheater der Länder*

theaterkurs-mgg-1.JPGWir hatten es also geschafft. Unsere Guppe vertrat mit “Fahrenheit 451″ (nach Ray Bradbury) Mecklenburg-Vorpommern im länderweiten Vergleich beim Schultheater der Länder 2007 in Wolfsburg.
Qualifiziert hatten wir uns in Anklam bei den Schultheatertagen und später dann mit einer Videoaufzeichnung, die wir direkt an das Organistions-Team der Festivalswoche geschickt hatten. Wenn man bedenkt, dass wir insgesamt 16 Stücke in 5 Tagen gesehen, an Workshops teilgenommen und Inszenierungen bewertet haben, zwischendurch auch essen und schlafen mussten, kann man nicht gerade behaupten, es wäre eine entspannte Woche gewesen:

Am Sonntag sind wir angekommen und wurden erstmal von einem Schildträger mit dem von uns kreierten Kosenamen “Schild” durch Wolfsburg geführt (Später erfuhren wir, dass unser “Mecklenburg-Vorpommern-Schild” Max hieß und bei der täglich erscheinenden Festivalzeitung arbeitete). Dann haben sich 15 Gruppen in jeweils einer Minute zum Thema Dreieck vorgestellt, das erste Stück angeguckt dann mit der 16. Gruppe (die an diesem Abend die Veranstaltung mit ihrem Stück eröffnet hatte), zusammen Abendbrot gegessen und ihre Herbergen aufgesucht.
Zum Wolfsburger Theater kann ich nur „Wow” sagen. Als ich das Theater betrat, wurde mir schon anders. Es war riesig und wunderschön (zumindest von innen, von außen glich es eher einem riesigen Betonklotz). Ewig viele Plätze, toller Bau, gute Akustik und eine riesengroße Bühne, problematischerweise mit anfangs nur einem halben Meter Vorbühne. Diese konnten wir dann Gott sei Dank noch ein wenig vergrößern.
Eine weitere Schwierigkeit der folgenden beiden Tage war, dass ich irrsinnige Probleme mit der Stimme hatte, die bis Mittwochmorgen weg sein mussten. Trotz aller Versuche, meine Stimmbänder mit allerlei Halsbonbons und Medizin wieder fit zu machen, war meine Stimme am Vorstellungstag nicht vollkommen genesen, aber immerhin konnte ich reden! Es war, im Gegensatz zur Vorstellung am Freitag vor der Abfahrt, eine sehr gelungene Vorstellung.
Die Kritiken zu unserem Stück waren vielfältig, wie man es sich gar nicht vorstellen mag. Manche fanden z.B. Szenen, die andere als Schlüsselszenen empfanden, überflüssig. Einige kritisierten die vielseitige Nutzung von Schwarzlicht, Schattentheater und Videowänden, die andere als klasse empfanden. So entstand eine rege Diskussion über unser Stück. Aber hatten wir nicht gerade das erreichen wollen?
Insgesamt war die Woche sehr beeindruckend, wir haben viele tolle Stücke angeschaut, uns wurde viel geboten und wir haben eine Menge netter Leute kennen gelernt. Außerdem haben wir gesehen, was (Schul-)Theater leisten kann und wie sinnvoll es ist, Darstellendes Spiel an Schulen zu unterrichten und es zu unterstützen. Denn viele Truppen setzten sich mit sehr ernsten und gesellschaftskritischen Themen auseinander - und ist das kritische Betrachten von Situationen und das angemessene Herüberbringen von Botschaften nicht ein zentrales Bildungsziel?

Weitere Informationen und Bilder zu unserem und anderen Stücken sowie über das Festival und Darstellendes Spiel in der Schule finden Sie auf www.sdl2007.de


*Kulturschock Usedom ist die Theatergruppe des
Maxim-Gorki-Gymnasiums Heringsdorf. Den Beitrag schrieb Jennifer Schnarr, Spielerin der Gruppe.

Die Kommentarfunktion ist derzeit geschlossen.